Ein Patient kommt lebensbedrohlich erkrankt in den Schockraum. Viele Entscheidungen müssen innerhalb weniger Minuten getroffen werden. Jeder Handgriff muss sitzen.
Um genau diese Situationen unter realistischen Bedingungen zu trainieren, waren Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte aus unserer Zentralen Notaufnahme und der Intensivstation im Trainingszentrum für Medizinische Simulation des Asklepios-Klinikums in Hamburg-Harburg zum Training der Schockraumversorgung nach dem „KOMET“-Konzept.
Dort wurden komplexe Notfälle an hochmodernen Simulatoren geübt. Die Trainingspuppen reagieren wie echte Patientinnen und Patienten: Sie atmen, sprechen, husten, ihre Pupillen verändern sich, Vitalwerte verschlechtern sich. Das Team muss sofort handeln – so wie im echten Schockraum.
Geübt wurden unter anderem akute Atemwegsprobleme, schwere Kreislaufstörungen und invasive Notfallmaßnahmen. Doch im Mittelpunkt stand weniger der einzelne Eingriff als das Zusammenspiel im Team.
Klare Abläufe geben Sicherheit
Im Training arbeiteten zwei Teams parallel nach festen Abläufen, im Zetrum steht das etablierte ABCDE-Schema. Jede Person übernimmt eine klar definierte Aufgabe. Entscheidungen werden ausgesprochen, bestätigt und umgesetzt.
Ein wichtiger Bestandteil war das sogenannte Crew Resource Management – ein Sicherheitskonzept aus der Luftfahrt. Es sorgt dafür, dass Kommunikation auch unter Stress klar bleibt: Wer spricht wen an? Wer übernimmt welche Aufgabe? Wurde eine Anweisung verstanden?
„Solche Trainings helfen uns, Behandlungsabläufe bei akut lebensbedrohlich erkrankten Patienten noch besser umzusetzen und weiter zu festigen.“, erklärt Dr. Schönemeier, Leiter der Zentralen Notaufnahme. „Wir arbeiten im Alltag bereits strukturiert. Durch das Üben unter realen Bedingungen wird dieses Zusammenspiel noch routinierter und präziser.“
Gerade bei schwer erkrankten Patientinnen und Patienten greifen mehrere Bereiche ineinander: Die Versorgung beginnt im Schockraum und wird häufig auf der Intensivstation fortgeführt.
„Deshalb trainieren wir nicht nur medizinische Maßnahmen“, sagt Dr. Wagner, leitender Oberarzt der Anästhesie und Intensivstation. „Wir trainieren Übergänge, Kommunikation und Verantwortung, besonders im Hinblick enger interdisziplinärer Zusammenarbeit. Im Notfall muss jeder wissen, was zu tun ist.“
Impulse für unsere internen Schulungen
Die Erfahrungen aus Hamburg werden nun in die bestehenden Fortbildungen integriert. Die Abläufe im Schockraum sollen künftig noch stärker Bestandteil von krankenhausinternen Trainings sein – interdisziplinär und praxisnah.
„Wir investieren bewusst in praxisorientierte Übung“, so Wagner. „Nicht, weil etwas fehlt – sondern weil wir gut bleiben und noch besser werden wollen.“
Erstmaßnahmen retten Leben – überall
Bei aller strukturierten Notfallversorgung bleibt eine Maßnahme zentral – im Krankenhaus wie im Alltag.
„Die wichtigste Maßnahme bei einem Kreislaufstillstand ist und bleibt die Herzdruckmassage“, betont Dr. Wagner. „Sofort beginnen, kräftig drücken, möglichst auf festem Untergrund. Das ist entscheidend – im Schockraum genauso wie außerhalb der Klinik. Frühe Wiederbelebungsmaßnahmen verbessern die Überlebenschancen erheblich – jede Minute zählt.“